Vorwort
Unsere diesjährige Wanderfahrt führte uns an den Neckar: Von Esslingen bis Heidelberg waren es insgesamt ungefähr 180 Kilometer. Am Samstag, den 28.10.2000, ging es mit einem PKW nach Baden-Württemberg, wo wir den Esslinger Ruderverein ansteuerten. Hier gab es ein Wiedersehen mit Hans-Reinhart Strehler, dem Wanderruderwart des Vereins. Seine Frau Sonja und ihn hatten wir schon in Berlin getroffen, als sie hier die Stadt besuchten. Es ergab sich damals die Möglichkeit, Boote vom RV Esslingen auszuleihen. Das Beste an der Sache war aber, daß wir uns nicht darum kümmern mußten, das Boot von Heidelberg zurückzuschleppen; Das wurde uns abgenommen. Also eine Rundumversorgung besonderer Güte! Vielleicht sehen wir die Ruderfreunde im Sommer 2001 in unserem Bootshaus, denn Hans-Reinhart plant eine Wanderfahrt in und um Berlin. Da wäre die ARG als bekannter Stützpunkt ideal. Wir fanden diese Idee natürlich klasse und haben uns mit einigen Wasserwanderkarten von Berlin und Umgebung am Ende der Jugendwanderfahrt für die freundliche Aufnahme bedankt.
Dank gilt auch den vielen Spendern aus der ARG, die wieder einmal großzügig geholfen haben, die Kosten für die Teilnehmer der Jugendwanderfahrt zu drücken.
Als wir uns am 03.11.2000 wieder auf den Heimweg machten, lag eine harmonische Woche hinter uns. Wir hatten sehr viel Spaß, diskutierten, spielten, machten zusammen große Teile der Abrechnungen und Berichte und gingen uns trotzdem nicht auf die Nerven! Ich hoffe, daß die Schilderungen der Jugendlichen den diesmal abwesenden JlJl die Jugendwanderfahrt 2001 schmackhaft machen. Leute, Ihr habt was verpaßt!
Teilnehmer:
Martin Günther
Simon Holtz
Michael Kogeschatz
Christian Nehls
Thomas Nehls
1.Tag:
Samstag, 28.10.2000
Abfahrt Berlin- Esslingen
Chronisten: Thomas und Martin
Nach einer kurzen Nacht haben wir (Simon, Christian, Martin und Thomas) uns
am Verein getroffen, um von dort um 5:30 die Wanderfahrt 2000 anzutreten.
Nachdem wir das Auto mit unseren Taschen und zwei gespendeten Cola-Kästen
vollgerummst hatten, übernahm Simon das Steuer. Auf der vergeblichen Suche nach
einer Tankstelle, sind wir am Havelpark vorbeigefahren, wo Simon über den leeren
Parkplatz heizte. Die Tanke hatte natürlich noch geschlossen. Mit nur einer
Frühstückspause sind wir dann in 6 Stunden und ohne Stau in Esslingen bei
Stuttgart angekommen. Dank Martins gutem Orientierungssinn schafften wir es ohne
größere Probleme, den Esslinger Ruderverein zu finden (200m vor der
Autobahnabfahrt wachte Martin auf, schaute auf die Karte und teilte Simon
lauthals mit, daß er hier abfahren müsse, was Simon auch prompt tat).
Hans-Reinhardt Strehler vom Esslinger Ruderverein konnte uns leider nicht gleich
bei unserer Ankunft empfangen, da er uns nicht so früh erwartet hatte, so daß
wir uns noch 2 Stunden in Esslingen umsehen konnten. Wieder am Ruderverein,
vertrieben wir die restliche Wartezeit kickend mit einer ´Pflaume von Fußball´,
die Thomas am Wegesrand gefunden hatte. Herr Strehler zeigte uns um 1500 Uhr das
Vereinshaus (mit schöner Bootshalle, einem großen, neuen Kraftraum, 4
Umkleidekabinen, dem zukünftigen Jugendraum und einer Kegelbahn). Wir freuten
uns sehr, dass am schwarzen Brett ein Zettel mit der Ankündigung unseres
Aufenthaltes aushing. Wir konnten den abgesprochenen Vierer mit Steuermann in
einen Dreier umtauschen, den "Staffelsteiger". Ein kurzer Snack artete in ein
heuschreckengleiches Gelage aus, das unsere Vorräte arg strapazierte. Wir fuhren
zielstrebig nach Esslingen-Downtown und okkupierten zwei Parkbänke, auf denen
wir uns erst einmal ausruhten. Begleitet von einem wunderbaren
Leierkastenspieler unterhielten wir uns dort eine halbe Stunde.
Die Suche nach einem Restaurant endete schließlich, wie sollte es auch anders
sein, in einem griechischen Lokal. Es dauerte nicht lange, da waren auch diese
Speisen vertilgt und wir fuhren zurück zum Verein. Wir kegelten eine Stunde,
wobei man wissen sollte, dass Thomas und Martin das eindeutig überlegene Team
waren (aber mit Abstand!!!). Am Abend machte sich Christian über das hauseigene
Fitneß-Center her und Simon gönnte sich zur Freude der Allgemeinheit eine
Dusche. Die drei Bundesbrüder balgten sich noch ´ne Runde in ihren Schlafsäcken,
bevor um 22.30 Uhr endgültig das Licht ausging.
2. Tag
Sonntag, 29.10.2000
Esslingen- Stuttgart
Chronisten: Simon und Christian
Heute morgen haben Martin und ich ziemlich lange nach einem Bäcker gesucht.
Um viertel neun losgefahren haben wir noch 30 Minuten später keinen einzigen
gefunden. Nur einen, der hatte zu. Also fragten wir Busfahrer, die laut
auflachten. Aber den Weg zu einem einzigen Bäcker wußten sie dann doch und
meinten, der würde jetzt gerade aufmachen um 8. Nicht nur, daß wir nicht recht
verstanden, warum die Typen lachten, gibt es wirklich keine Brötchenverkäufer
hier, nein, auch die Uhr konnten sie nicht lesen, es war fast 9. Ums kurz zu
machen: Wir hatten die Umstellung auf Normalzeit verpennt. Und das passiert
einem nur, wenn man auf die korrekte Uhrzeit angewiesen ist: Murphy´s Law. Unser
erstes Nutellafrühstück überlebte das von Martin gespendete Schokoglas zwar,
aber es röchelt sozusagen auf dem letzten Ast. Morgen hauen wir es
wahrscheinlich in die Tonne. Satt waren wir am Ende des Frühstücks, schnell
verfügbarer Zucker machte uns ruderwillig.
Prompt klingelte Hans-Reinhart durch, der um Einlaß in Bootshaus bat, da er
seinen Schlüssel bei uns gelassen hatte. Er hatte uns am Vortag schon die Skulls
und Paddelhaken gezeigt und versorgte uns nun noch mit Steuersitz und -lehne für
den Fall der Fälle, das der Schiffsverkehr auf dem unteren Neckar bei uns einen
Steuermann benötigen würde.
Als wir im Boot saßen hatten wir folgende Möglichkeiten. Einerseits wäre es
möglich gewesen, den Neckar flußaufwärts zu fahren, um ein paar Kilometer mehr
zu haben und um zu vermeiden, daß wir schon am Mittag in Stuttgart wären. Wir
entschlossen uns aber dann doch dagegen, da wir nicht riskieren wollten
einzuregen.
Nachdem wir uns warmgerudert hatten, kam die erste von 6 Schleusen. 200 Meter
waren vergangen, 2 Minuten verstrichen. Nach dem Umtragen der Boote war bereits
die nächste Schleuse in Sicht. So waren die 18 Anfangskilometer ständig vom "Schleuse-in-Sicht"-Rufen
begleitet. Aber kein Regen, ein kippelsicheres und leichtes Boot der Marke
Mygg-light machten es zu einem schönen Ruderabschnitt. Und es soll allen gesagt
werden: Nicht einmal klingelte oder piepte ein elektronisches Gerät L .
Aber irgendeinen Spaß mußten wir ja haben und so setzten wir vor einer Schleuse
den Martin auf eins, auf das er Erfahrungen sammelt. Naja, ich setzte mich erst
mal ab und bediente die Schleuse. Alles ging glatt, also ließen wir ihn gleich
sitzen, was zwar zu Protesten führte, aber das sind wir ja gewohnt. Immer nur in
der Mitte rudern is nich!!! Aber jetzt im Ernst: Der Neckar bietet sich mit
seiner kaum vorhandenen Strömung geadezu an, verstärkt Wanderfahrerwendehälse
auszubilden. Viele Schleusen, anlegen und ablegen mit Kommando und Blick fürs
Ganze. Zumal ja das Steuern an sich auf Weser und Main ja zur Perfektion
ausgeführt wurde. Das wird auch dem Mike noch blühen, das weiß er zwar noch
nicht, aber umso besser.
Stuttgart empfing uns mit Landdienst, unserem Ansprechpartner vom
Stuttgart-Cannstatter RC und einem Ruderkamerad vom Akademischen Ruderclub zu
Berlin, der hier in Stuttgart lebt und wegen der Zirkel natürlich gleich
nachfragte, von wo wir sind. Vielleicht winkt er ja mal, wenn er an unserem
Bootshaus vorbeirudert. Wir fuhren erst einmal nach Stuttgart, wo der Hüter der
elektronischen Bundeslade Christian auf dem Schloßplatz 1,5 Stunden an einer
Exel-Tabelle arbeitete, um eine genaue Abrechnung der Wanderfahrt machen zu
können. Danach wurde es aber zu kalt und wir verzogen uns zu Mäcdoof J bevor wir
heimfuhren und lasen, spielten und uns den Verein anschauten: Viele gelbe Boote
kann man als Zusammenfassung schreiben. Ich glaube, es gibt keine einzigen ´nicht-Empacher´.
Vielleicht liegt es ja auch daran, daß die Empacher-Werft nicht mal 100
Kilometer entfernt liegt. Wir werden sie ja noch besuchen und eine Führung
bekommen. Beim Spielen fiel uns allen erneut etwas auf, was uns schon länger
bekannt war. Der liebe BB Nehls meckert, wenn er verliert. Er spielt auf einem
MiniComputer (HandHeld PC) und fluchte über Programmierer, die hier mit Tricks
arbeiten würden. Das wäre auch der Grund, warum man keines der dummen Spiele in
der schwersten Stufe gewinnen könnte. Laber. In diesem Moment erinnerte sich
Thommi an die Bezeichnung "Don Lamento" und fragte was dahinterstecke. Nachdem
ich Ihm von BB Wochele und seinem Spitznamen erzählte war klar: hier haben wir
Don Lamento jr. vor uns. Mal sehen, wie Christian diesem Namen in der nächsten
Woche gerecht wird. Es wird berichtet werden. Gerade in dieser Sekunde nervt er
mich, daß man sich nicht etwas "holt", sondern "kauft", auf diese diffizilen
Unterschiede würden wir gar nicht mehr achten: Don Lamento jr!!
Um halbzehn kam unser fünfter Mann Michael mit der Bahn in Stuttgart an. Mit ihm
zusammen gings Essen. Der Bundesladenhüter orderte den Verzicht auf Getränke an,
da er nicht einsah, für 0,3l Vier Fünfzig zu zahlen. Der Kellner sah nicht ein,
daß wir nicht einsahen. Sein Problem. Nach dem schnellen Verzehr von
Knoblauchpizza und Pizzabrot ist es dann allen wohl sehr verständlich, das wir
nicht lange sitzen blieben, sondern zum Auto jokkelten, wo uns noch die Reste
der gespendeten Cola-Vorräte erwarteten. Auf dem Rückweg ließen wir die Bässe im
Auto wummern und zeigten den Stuttgartern, wo der Hauptstadthammer hängt J. Als
Chris und Tom sich entschlossen, noch ein Mitternachtsworkout im Kraftraum zu
machen, war der Rest der Mannen schon müde und ging zur Geisterstunde schlafen.
3 Tag
Montag, den 30.10.2000
Stuttgart- Schleuse Pleidelsheim
Chronisten: Michael und Martin
Um 10 Uhr weckte uns Simon mit frischen Brötchen und Kakao. Lobenswerterweise
war er bereits zu dieser frühen Stunde allein beim Bäcker gewesen. Nach dem auf
dem Fußboden im Stile eines japanischen Restaurants eingenommenen Frühstück,
legten Michael, Thomas und Simon mit dem "Staffelsteiger" ab. Die ersten vier
Kilometer verliefen für die Ruderer erstaunlich schnell. An der Schleuse wurden
sie vom Landdienst bereits erwartet. Das Boot wurde umgetragen und die Fahrt
konnte fortgesetzt werden. Während sich Christian und Martin bei Edeka
vergnügten, steuerten die anderen sicher die nächste Schleuse, wiederum nur vier
Kilometer entfernt, an. Nach erneutem Umtragen schafften sie mühelos die sieben
Kilometer zur kurzen Getränkepause mit Schokoriesen an der Staustufe
Poppenweiler. Zwischendurch hatten Simon und Michael im Boot die Plätze
getauscht, für den Rest der Etappe fuhr letzterer auf eins. Als es gut gestärkt
auf den abschüssigen Teil der Umtragestrecke in Richtung Wasser ging,
beschleunigte sich der Bootswagen auf Grund eines Missverständnisses ungewollt
stark. Simon musste sich durch einen schnellen Spurt vor dem Geschoss retten,
ehe er dieses wieder auf einer geraden Strecke zum Stehen brachte.
Der Landdienst machte sich zum heutigen Quartier auf, während sich die Ruderer
von einer Schokoriesenpackung zu einer weiteren ausgiebigen Pause genötigt
sahen. Sie begegneten noch einigen Schubern. Der Landdienst hatte inzwischen die
Unterkunft inspiziert und für ungemütlich befunden. Nach Anweisungen des Wirtes
der Gaststätte, die zum Ruderverein gehörte, stellten sich verschiedene
Übernachtungsmöglichkeiten: So wurden uns neben der kalten, zügigen Bootshalle
zwei verschiedene ebenfalls kalte Umkleiden und der vollgestellte, nicht
heizbare Kraftraum im Kellergeschoss angeboten. Wir wollten nicht frieren.
Spontan entschieden wir uns den für den am nächsten Tag gebuchten Ruderverein in
Lauffen. Als das Ruderboot den Steg erreichte, war bereits beschlossen, dass wir
dort übernachten würden.
Nach einem Crew-Wechsel ruderten Simon, Christian und Martin. Locker näherten
sie sich der Doppelschleuse Pleidelsheim, wir merkten kaum die Kilometer,
verschiedene Gesprächsthemen ließen die Zeit vergehen. Mitten in das nette
Geschnacke platzte Simon auf eins mit der Mitteilung: "Schleuse in Sicht!". Von
diesem Zwischenruf angespornt gingen sie zu Dicken über, die Schlagzahl wurde
hochgetrieben und wir sausten an der Kaimauer entlang in Richtung Umtragestelle.
Kurz vor der Schleuse wunderten wir uns allerdings, als Michael und Thomas uns
laut scheppernd mit dem Bootswagen an Land entgegen rannten. Nach einer
eleganten Langen Wende ruderten wir den halben Kilometer wieder flußaufwärts, um
dort das Boot an vorgesehener Stelle aus dem Wasser zu heben, der Irrtum kommt
mit 0,5 Kilometer ins Fahrtenbuch, grrrrrr! Sanft legten wir den Dreier ins Gras
und liefen zum Auto. Nach einer halbstündigen Umpackaktion schafften wir es
tatsächlich, ganze fünf Personen samt Gepäck in Christians Großraum-Golf
unterzubringen!!
Durch die malerischen Weinberge gelangten wir vor das Bootshaus des Lauffener
Ruderclubs "Neckar". Wir vertrieben uns die Zeit mit Musik hören bzw.
Schachspielen auf Simons PalmIII bis uns nach ca. 2 Stunden Herr Schuh Einlass
gewährte. Wir ließen uns im Umkleideraum im Keller nieder und genehmigten uns
erst einmal eine warme (bis kalte) Dusche. Ausgehfertig zogen wir anschließend
mit dem Auto los, auf der Suche nach etwas zu Essen. Wie wir nach einer Warnung
von Herrn Schuh bereits ahnten, hatten die meisten Gaststätten am Montag
Ruhetag. Wir landeten schließlich in einem vollen aber sehr gemütlichen Lokal
namens "s´Dächle" mit schmackhafter heimischer Küche. Die bestellten Schnitzel
erinnerten stark an ein ganzes Schwein, sie nahmen einfach kein Ende. 0,5 Liter
Cola kamen gerade mal Drei Mark. Gut gesättigt und wieder im Verein spielten wir
Mensch, ärgere dich nicht. Simon und Christian agierten als Team und standen
kurz vorm Sieg. Es gelang ihnen über Runden hinweg jedoch nicht die letzte Eins
zu würfeln. So wurden sie noch von Martin abgefangen, der gewann. Prompt gelang
Simon dann die Eins. In seiner temperamentvollen Art warf er alle Figuren
durcheinander und das Spiel war beendet. Die beiden Chronisten machten sich ans
Werk, während die anderen bereits im Halbschlaf versunken waren (Christian
spielte Snake mit seinem Handy, Thomas las "Harry Potters neueste Abenteuer" und
Simon schnarchte). Nach einer letzten Diskussion über blutrünstige Filme
schlummerten wir sanft in unseren Schlafsäcken und träumten von einem weiteren,
wunderschönen Tag auf dem Neckar.
4. Tag
Dienstag, 31.10.2000
Schleuse Pleidelsheim- Schleuse Heilbronn
Chronisten: Michael und Simon
Wir haben gerade Monopoly gespielt. Aber wirklich nicht mehr normal. Es fing
damit an, daß Don Lamento sich nicht mehr einkriegte, da er keine Straßen
ergattern konnte. Er fing also an, Geld zu verschenken und dem Spiel wenig
Beachtung zu schenken. Diese Laune fing sich erst wieder als er sah, das auch
andere Pech haben können. Mittlerweile bediente ich mich nach Lust und Laune aus
der Monopolybank, und die anderen bezahlten keine Miete und schummelten wie die
Chaoten. Manche klauten auch. Verdammt! Wir haben uns doch alle lieb.
Der Tag heute verwöhnte uns zwar nicht mehr mit Sonne, dafür ließ sie sich noch
mal just in dem Moment blicken, in dem wir nach 40 Kilometer aus dem Boot
stiegen.
Der Himmel zeigte sich in seinen schönsten Farben, Christian fotografierte die
orange-gelbe Lichtshow. Wir werden sehen, was aus diesem Foto wird. Wir haben
schon einiges verknippst. Martins Objektiv fängt oft den Staffelsteiger samt
Mannschaft ein. Aber sie bleibt ja auch so in Erinnerung:
Heute bis 10 geschlafen, es regnete stark, die ersten Schläge bis zur x-ten
Schleuse auf dieser Fahrt.
Heute wurden wir sogar geschleust. Einmal mit einem Frachtschiff in der Kammer.
Ganz sanft ist der Kahn vor uns rausgefahren, kein Problem also. Aber die Optik
ist trotzdem ungewohnt. Normalerweise läßt der Eins-Mann mehr Respektsabstand
zwischen großem Heck und kleinem Ruderbootbug. Nach diesem Abenteuer haben wir
wieder eine Runde Schokobons eingeatmet und Zucker getrunken. Hach! Wir
brauchten Kraft. Denn der Dreier sollte laufen, im hohen Schlag, weg mit dem
Schub und schnell über die Knie, zusammen drehen und sofort Druck aufbauen, wir
sind ein eingespieltes, Wikingsternfahrt erfahrendes Team. Und wer abends essen
möchte muß ein verschwitztes Sweatshirt (daher ja auch der Name "Schwitzhemd")
aufweisen. Das Boot läuft gut. Die Empacherskulls sind leicht, der Drei-Skull
aber auch ein wenig zu schmal. Wir fuhren an unserem eigentlichen Etappenziel
Lauffen vorbei und landeten an der nächsten Schleuse an, wo wir das Boot liegen
ließen.
Jetzt kommen noch einige Memos:
- Don Lamento schmeißt gerade mit Handtuch und ISO-Matte um sich, weil wir ihn
nerven.
- Wir wurden aus einer Spielothek vertrieben, in der wir Kicker spielen wollten.
Mist. Das fanden wir wirklich erbärmlich!
- Wir vermuten, daß die vielen kleinen Häuschen in den Weinbergen kleine
Liebesnester sind. ICH wollte das ja nicht schreiben aber Don Lamento sagte, er
wolle die Nutten im Weinberg erwähnt haben.
- Hier wirft Mike ein, der Bericht komme ins Web, repräsentativ also, nicht
allzuviel Schweinskrams. Wär gut. OK!
- Apropos. www.argberlin.de falls ihr es immer noch nicht wißt.
Wir haben uns abends beim Italiener gestärkt. Aber anscheinend hatten wir die
Karte vorm Restaurant falsch gelesen, denn die Speisen waren erstaunlich teuer.
Es blieben also nur Nudeln für alle übrig. Und den Thomas erwischte es noch
doppelt: Er bekam Salat mit Öl und Essig anstelle von American Dressing und dann
noch die falschen Nudeln. Also aß er sein Essen als wir schon alle fertig (aber
nicht satt) waren. Unsere Versuche, ihm Nudeln zu klauen wurden von ihm aber
abgewehrt. Und auch die übrigen Gäste waren froh, als wir weg waren J.
5. Tag
Mittwoch, 01.11.2000
Schleuse Heilbronn - Bad Wimpfen
Chronisten Martin und Christian
Morgens piepte erst ein Mal das Handy von Michael. Alle wachten auf, konnten
aber gemütlich weiterschlafen, während Simon und Michael sich schon mal im
Techno-Blauen Golf zum Brötchenholen aufmachten. Sie kurvten durch ganz Bad
Wimpfen, vorbei an diversen Bäckerläden, die jedoch stets zum Ärger der beiden
geschlossen hatten. Dem Hinweis zweier älterer Damen folgend düsten sie sogar
noch in die nächste Stadt, immer im Bemühen, den Ruderern ein angemessenes
Frühstück zu servieren. Doch, so die vorläufige Erklärung, in dieser abgelegenen
Gegend konnte es wohl keinen Bäcker geben, der vor elf Uhr öffnete. Zahlreiche
Kilometer später... ....fanden die beiden trotzdem keine geöffnete Bäckerstube,
da Allerheiligen war, und das ist in diesem gottesgläubigen Land ein "echter"
Feiertag! ;)
Das wurde uns allerdings erst beim Blick auf die "Palme" (Palm III, Handheld PC,
Subnotebook), und zahlreichen Versuchen, in geschlossene exklusive
Großhandelsketten (ALDI) einzudringen, klar. Keiner der schlaftrunkend murrenden
Daheimgebliebenen wollte glauben, daß die beiden tatsächlich keine Brötchen
hatten. Nach heftigen Diskussionen, Verwünschungen und Tadeln wurden die Reste
der vorigen Tage runtergewürgt!
Simon, Michael und Christian wurden samt Boot an der Schleuse Heilbronn in den
Neckar verfrachtet und Martin und Thomas rasten zur nächsten Schleuse. Dort
wurde Ihnen vom Wanderfahrtleiter und Christian die Episode des "Michael
Kogelschatz und das Wehr" erzählt: Simon setzte Michael auf die Einsposition
("nur da lernt man was!"). In der Tat wurde Christian und Simon der Kragen
ziemlich eng als Chaosruderer Michael an einem Dutzend Verbotsschildern vorbei
zum Wehr ruderte. Er ließ die Truppe aber ca. 400m davor anhalten, weil er sich
nicht sicher war, ob es da vorne weitergehen würde: "Das sieht so abschüssig aus
?!" Meckern allerorten und die Gewißheit, daß Michael sich immer dreimal umsehen
wird vor einer Schleuse, folgten auf dem Fuße. Nach einer schnellen Wende und
heftigem angsterfülltem Keulen, bog er in die richtige Einmündung ein, woraufhin
auch gleich ein Motorboot im hier kanalisierten Nekar für "nette" und "lustige"
Unterhaltung in Form von hochseegleichem Wellengang sorgte, was anfangs auch
lustig, nach 2 km aber zum Brechen war.
Auf diese schon eigentlich ausreichenden Erfahrungen folgte, nachdem die
Schleuse in Sicht war, der dazugehörige entgegenkommende Schuber. Dieser ließ
Michael nicht viel Platz zwischen Ihm und der Spundwand. Michael machte seinen
Patzer beim Wehr wieder gut, indem er schnurgerade zwischen beiden mächtigen
Hindernissen hindurchglitt und viel Augenmaß bewies. Die Geschichte endet mit
Happy End = eine perfekte Anlege an der Schleuse.
Angekommen in Bad Wimpfen wurde geduscht, geflakst, verschiedene Leute veralbert
und die Marke Granini durch den Kakao gezogen. Nach ausgiebigen Duschexzessen
machten sich die Heuschrecken auf die Suche nach Futter. Ein wirklich
furchterregender Döner samt Knorpelmasse und Hirn machte der Freßgier keinen
Halt, so daß das Wirtshaus "Zum goldenen M" angestrebt wurde. In selbigem
Gasthaus verwirrten 6 Getränke für 4 Personen die etwas provienzielle
Gastronomin, was natürlich toleriert wurde und schon ging es weiter zum Kino in
Heilbronn. Die Karten wurden für 20.30 Uhr gekauft, woraufhin wir noch einige
Stunden im Chill-/Standby-Modus im Bootshaus verbrachten. [Pennen, Schach
spielen auf der Palme, Riesen futtern, lesen (!ja, auch das kam mal vor !) ]
Auf eine detaillierte Schilderung eines von Christian gewonnen MENSCH ÄRGER DICH
NICHT wird aus Rücksicht auf die Verlierer verzichtet! ;) In Heilbronn konnten
wir uns vor Lachen über Jim Carey kaum halten, was sich nach Ende des Films
schlagartig änderte, da weder das Schnitzelparadies (in das wir immerhin mit
einem Vegetarier einkehren wollten ;) ) noch McDonalds oder sonst irgendein
anderes Gasthaus in diesem Ort um 23h offen hatte, um uns zu verköstigen!
Wir latschten durch den Regen und landeten in einem Etablissement -einer
Pizzeria gleich- was erst um 2230 Uhr seine Pforten für die Gäste des oben
ansässigen Striplokals öffnete (VERMUTUNG!!) und auch erst um 0500 Uhr wieder
schloß ;) Froh, überhaupt etwas in den Magen zu bekommen, schlangen wir unserer
wirklich nicht schlechtes Essen runter. Die Zeit verflog, als wir eine
Unterhaltung über die ARG führten, und so kamen wir erst gegen 00:30 aus dem
"Restaurant". Dann rasten wir in dem TECHNOBLAUEN GOLF mit lauter TECHNOMUKKE
gen Bad Wimpfen, wo wir unseren wohlverdienten Schlaf (auf extrem harten
Kacheln!) fanden, so um 01:10.
6.Tag
Donnerstag, 02.11.2000-11-07
Bad Wimpfen-Neckarelz
Chronisten: erst Simon und dann auf einmal alle anderen
Wir haben wirklich Glück mit dem Wetter. Schon die ganze Fahrt über waren wir
nicht ein einziges Mal eingeregnet, oder hatten mit Gegenwind zu kämpfen. Heute
dann die Krönung: strahlender Sonnenschein den ganzen Tag. Und die Sonne hatte
trotz November noch die Kraft, um uns zum Schwitzen zu bringen. Wir ruderten
also teilweise im T-Shirt. Es war einfach klasse! Schöne Landschaft zog vorbei,
Weinberge mit den verschiedensten Farben, Felshänge und eine Menge Tiere zogen
die Aufmerksamkeit in Bann.
Unser Weg wurde sogar von einem Eichhörnchen gekreuzt, das schwimmend das andere
Ufer zu erreichen suchte. Ein heftiger Streit entbrannte darüber, ob Hörnchen
überhaupt schwimmen könnten und ich sage ja, der Beweis paddelte gerade neben
uns um sein Leben. Aber Michael wollte noch beim Tierbund anfragen, ob diese
Behauptung richtig ist.
Als wir zu Ende diskutiert hatten war auch schon die nächste Schleuse in Sicht,
wo wir mit Schokoriesen versorgt wurden, die aber langsam anfingen, uns alle
mächtig anzuekeln. Am Abend davor hatten wir nämlich ein zwei Packungen
vertilgt. Nun hängen sie uns zu den Ohren raus und wir nutzen sie hauptsächlich
dafür, uns gegenseitig zu bombardieren.
Heute hatten wir leider nur relativ wenig zu rudern. Ca 22 Kilometer bei 2
Schleusen stand auf der Ruderliste. Und wir konnten auch nicht weiter fahren, da
wir Thomas noch nach Stuttgart bringen mußten. Er fährt nämlich heute abend mit
dem Zug zurück nach Berlin. Es ist ja klar, das wir uns alle noch mal in den
Wagen quetschten um ihn zu verabschieden. Martin kann sich freuen, er liest
immer die Landkarten und leitet uns zum Ziel.
Daß diese Fähigkeit aber langsam gespenstische Ausmaße annimmt, ist glaube ich
noch nicht beschrieben worden. Schon auf der Hinfahrt wachte er immer dann auf,
als ich drauf und dran war, mich zu verfahren. Während der Fahrt las er die
1:100000 Karten mit unheimlicher Genauigkeit. Auch die kleinsten Wege fanden wir
auf Anhieb. Martin, was bist du denn für ein Psycho?
Wenn du diese Fähigkeit ausbaust, wirst du später immer vorne sitzen. Dann
würden auch die BBs sich nicht mehr in konzentrischen Bewegungen dem Ziel
nähern, sondern direkt anlanden.
So fanden wir auch den Hauptbahnhof ohne jedes Problem und stellten uns prompt
auf den Polizei- und BGS-Parkplatz mitten auf dem Bahnhofsvorplatz. Frechheit
siegt. Noch 2 Stunden waren Zeit bis der Zug fuhr, deswegen ließen wir 50 Mark
bei McDonalds. Das fand Michel gar nicht lustig und reiherte dann auch genau ans
Bahnhofsgebäude. McChicken, Cola und Milkshake waren für seinen Magen
anscheinend zu viel. Ist ja sonst auch nur GemüseMac, der Junge J Jetzt geht es
ihm aber wieder gut, er strahlt und stänkert wieder.
Auf dem Rückweg standen wir noch eine halbe Ewigkeit im Stau, bevor uns- ratet
mal wer- wieder mit treffsicherer Genauigkeit nach Neckarelz brachte. Hier
schrieben wir unsere Postkarten. Das fiel am Anfang schwer, weil 50 biertrunkene
Damen nebenan in der Sauna saßen und unseren Jugendlichen nachstellten, die
versehentlich auf die Toilette wollten und die Sauna mit einem pp-Becken
verwechselten. Das ist natürlich vollkommener Schwachsinn, aber der Bericht wird
ein wenig länger. Das mit den Karten aber stimmt. Es ging erst dann viel besser
als wir uns die individuellen Eigenschaften der Bbs in Erinnerung riefen und
dann jedem seine persönliche Karte bastelten. Wir diskutierten am Abend noch
eine Weile, bevor wir uns dann aufs Ohr hauten.
7. Tag
03.11.2000
Abfahrt nach Berlin
Chronisten: Alle ;)
Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, mal so richtig auszuschlafen am
Abfahrtstag der Wanderfahrt: Undenkbar unter der Fuchtel von BB Kürger I und
unwahrscheinlich unter dem Regime BB Holtz II. Aber wir (Simon only) standen
dann doch schon um 8h auf, womit gleich auch gesagt werden muß, daß dadurch auch
die bedauerndswerten anderen ´aufgestanden´ wurden.
An diesem Morgen, so stellte sich heraus, hatten die Bad Wimpfener
Arbeitseinsatz. Wir versuchten so lange wie möglich, sie von unserem
Schlafdomizil fernzuhalten, in dem es wahrlich chaotisch aussah: Simon und
Christian hatten sich in der letzten Nacht ein erbarmungslose Schlacht
geliefert, die darin gipfelte, daß sich beide Ihre schmutzige Wäsche um die
Ohren hauten. Don Lamento verlor und jammerte dann entsprechend (Anmd. d. Red.:
LÜGE ! Anmerkung des Endkorrektors: LAMENTO !!) Wir schrieben den Bad Wimpfenern
noch einen kleinen Satz in ihr Gästebuch, bevor wir den Verein wieder TipTop
verließen. Wir falteten uns mal wieder samt Gepäck in den Golf und fuhren
Richtung Eberbach, wo wir am gestrigen Tag das Boot gelassen hatten. Angekommen
machten wir uns an schrubben. Dazu mußten wir erst mal ein 90%ige Steigung im
Schlamm hinter uns bringen! Als wir das geschafft hatten, war das Boot vollends
mit Schlamm besudelt. Nun aber schnell geputzt! Jedenfalls die Jugend, während
Christian das Auto auf den einzig freien Platz stellte- wo er niemanden störte-
und es mit einer rallygleichen kunstfertigen Piurette drehte. Dieses Manöver
endete in dieser Pampaschlammwüste FAST an einem "gottverdammt-wieso-parkt-der-ausgerechnte-da-wo-ich-hinwill"
Ford Escort Kombi. Huihui! Glück gehabt, nur´n bischen gewackelt.
Aber zurück zum Boot:
Die einzelnen Teile des Staffelsteiger wurden runter zum Nekar gebracht und
geputzt. Die Säuberung des Bootes selbst erwies sich als etwas schwerer und
komplizierter: Wir füllten 6 x 1,5 PET Mehrwegflaschen (die wir alle nicht
losgeworden sind, wer nimmt auch schon in ganz Baden-Württemberg diese
global-akzeptierten Falschen zurück ?) mit feinstem Neckarwasser und spülten
damit das Boot ab. Als wir damit fertig waren, sprach uns eine Frau des RG
Eberbach an, "warum wir das Boot nicht mit dem Schlauch putzen?". Das hätte sie
auch vor unserer Wasserschleppaktion sagen können!
Der 3er lag abholbereit und blitzblank am Straßenrand, und Hans-Reinhart
Strehler mit Frau Sonja ließ auch nicht lange auf sich warten. Mit einem
riesigen Techauanhänger kamen sie und halfen uns tatkräftig beim Verladen. Ab
mit dem Boot Richtung Esslingen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für
die ganze Mühe und Umsorgung !! Ein letztes Abschlussfoto mit Selbstauslöser und
schon ging s los auf die Heimfahrt!
Wir zuckelten sehr benzinsparend ("Simon 5.Gang, nicht rasen, das kann doch
nicht so schwer sein") von dannen, fraßen ein ganze, bei Penny erstandene,
Bananenstaude, Knoppers, Prinzenrolle, tranken Coca Cola und Apfelschorle und
landeten kurz hinter Leipzig in einem Stau. Christian musste auf das Klo "wie
ein Stier" (Zitat !) und gesagt getan, sprang er bei Tempo 20km/h (Anm. d. Red.:
ÜBERTREIBUNG !) aus dem Wagen und verschwand in der Hecke. Wir fuhren ein Weile
bis er nach einem kurzen Sprint durchs Schiebedach (Anm. d. Red.: MAßLOSE
ÜBETREIBUNG ! ) wieder ins Auto glitt. Auch der Stau hatte ein Ende und wir
erreichten gegen 21.30h Falkensee, wo wir Simon entließen.
Nachdem nun dem Golf eine schwere Last von den Schultern genommen war, brachte
Christian erst Martin, anschließend Michael nach Hause. Alle konnten kaum gehen
vor lauter aufgestapeltem Gepäck in den Armen, trotzdem rief jeder mindestens
noch 3x bei Christian an, wo den "die Bauchtasche, der Rucksack, das
Handynetzteil, der rote Sack" seien? Ganz zu schweigen von den Bergen von Müll,
Schlammklumpen und Graniniflaschen im Wageninneren. ;-