| Samstag, 26. 4. 2008 | |
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Knapp ist die Beteiligung an der diesjährigen Wanderfahrt. Aber so ist es
nun mal, da kann man planen was das Zeug hält - es kommt etwas Unerwartetes
und schon ist eine Teilnahme nicht mehr möglich. Das war nicht nur bei mir
so, auch andere Ruderkameraden traf das und so machte sich dann eine kleine
Crew Samstags früh zu unchristlicher Zeit (um 6 Uhr in der früh) auf den Weg
zum diesjährigen Einsatzort in den Spreewald. Wenigstens den Starttag konnte ich wahrnehmen und meine Ortskenntnis dieses interessanten Einsatzgebietes zur Verfügung stellen. Manfred Metz, langjähriger Fahrtenleiter, ist auch nicht dabei und übertrug im Vorfeld Berndt Wittjen die Fahrtenleitung und sagte zu mir: " Mach Du mal den ersten Tag!" Nun kenne ich den Spreewald ganz gut - vom Paddelboot aus. Und das sollte sich dann auch bei der ersten Etappe zeigen. Aber bleiben wir erst einmal beim Start. Wie in vielen Jahren zuvor auch mit dem Treffen unter der Freybrücke. Anders aber, als in den letzten Jahren, steht der Hänger noch beim RC Dresdenia. Am Mittwoch verladen, indem wir die Boote hinruderten und dort an der Scharfen Lanke auf den zur Verfügung gestellten Hänger verpackten. Schlüssel für's Gelände hatten wir und es war dann nur noch eine Routine-Aufgabe Frieders Auto um einige Meter zu verlängern. Die Hinfahrt ist schnell geschildert: keine besonderen Vorkommnisse! Auf der Karte ausgeguckter Einsatzort sollte das Grosse Fliess nördlich von Burg sein - und wurde es auch. Nur etwas später als geplant, denn das Einsetzen dort war nur über ein Privat-Gelände möglich. Geschäftstüchtig, wie die Spreewälder nun mal durch Jahrzehnte langem Umgang mit Touristen sind, bezahlten wir dann pro Boot noch 5 Euro, hatten dafür aber einen, wenn auch kleinen, Steg zur Verfügung. Bereits eine halbe Stunde später setzten sich dann Mygg und Sygin in Bewegung. Schnell merkten alle, dass Rudern im Spreewald viel mit Skulls lang zu tun hat und dementsprechend oft ein paar Dicken vorneweg. Auch die Paddelhaken kamen zum Einsatz: zum Abstossen von zu nahe kommendem Ufer aber auch zum Paddeln, wenn es gar zu eng wurde. Nicht weit weg war dann schon die erste Schleuse, so klein, dass die Mannschaften nicht in den Booten blieben. Eine willkommene Möglichkeit die Allerwertesten zu lüften, auch wenn die zurückgelegte Stecke für des Ruderers wichtigsten Teiles noch nicht sehr belastend war. Abwechselnd schmale und ganz schmale Wasserabschnitte wurden bewältigt, nach der dritten Schleuse passierten wir das Traditionshotel und -restaurants Eiche (heute umgebaut zu einem Taguns- und Wellnesshotel), ohne dort anzulegen und verliessen das Grosse Fliess um in das Nordfliess einzubiegen. Drei Kilometer breiteres Gewässer, bis zur Schleuse Kannomühle. Eigentlich hatte ich hier an eine kurze Rast gedacht - aber die angreifenden Mücken, und die kommen mir im Spreewald immer besonders gross und gewalttätig vor, liessen uns ganz schnell die Boote umtragen und die Fahrt fortsetzen. Einer besonderen Prüfung der heutigen Etappe entgegen - dem Peterskanal. In Erinnerung hatte ich den immer als halbwegs breites Gewässer, zumindest für Ruderboote geeignet. Aber da hatte ich wohl etwas zu sehr die Breite eines Kanadiers angesetzt (nicht den aus dem gleichnamigen Land, sondern das mit Stechpaddeln zu bewegende Paddelboot) und für ein Ruderboot erwies sich dann das Wässerchen als ziemlich schmal. Aber ein Kompliment an die Ruderer, es kamen keine Schmährufe, nein es wurde gemeinsam ein neuer Ruderstil kreirt: das Riemenskullen mit Steuerunterstützung! Wie das geht? Na ganz einfach: es wird nur auf einer Seite geskullt, in dem Falle auf der Steuerbordseite, und der Steuermann gleicht mit starkem Zug am Steuerseil den asymmetrischen Antrieb aus. Ab und an kommt dann auch mal der Paddelhaken zum Einsatz weil ein Abstossen vom Ufer notwendig wird. Nur gut, dass das Ufer dicht besäumt ist mit Baumstämmen und festen Wurzeln. Gut einen Kilometer geht das so, bis wir wieder zurück auf das Grosse Fliess kommen. Sind wir bisher mit der Strömung gerudert, so hiess es jetzt, gegen sie bis zur bald folgenden Schleuse und danach bis zum Abzweig in den Leiper Graben zu kommen. Wer den Spreewald kennt, kennt auch die Polenz-Schänke - und alle ARG-Wanderruderer dieser Fahrt kennen die jetzt auch. Wir legten an diesem Etablissement an den reichlich vorhandenen Stegen an und genossen das servierte Essen, die Getränke. Dabei bekämpften wir die angreifenden Mücken. Hier in der Polenzschänke wurden zu DDR-Zeiten an jedem Tag einige Hundertschaften durchgeschleust, angelandet in Spreewaldkähnen, generalstabsmässig mit Einheitsessen versorgt und nach vorgegebener Aufenthaltszeit wieder mit den Spreewaldkähnen zurück nach Lübbenau gestakt. Eine goldene Zeit für die hier Ansässigen, der immer noch nachgetrauert wird wenn das Gespräch darauf kommt - Wendeverlierer??? Uns setzte keiner ein Zeitlimit aber doch war es dann genug mit dem Landgang und die Mannschaften, verstärkt durch den bisherigen Landdienst, machten sich auf die Weiterfahrt. Ab hier sind die Gewässer gut ruderbar und so konnte ich ruhigen Gewissens den Landdienst übernehmen und einen Platz zum Lagern der Boote suchen. In der Zeit querten dann die ARG-Boote den Rest des eigentlichen, des Oberen Spreewaldes. Vorbei ging die Fahrt an Leipe, dem zentralst gelegenen kleinen Ort mit gelben Ortsschildern auch an den Wasserwegen, dann auf der Hauptspree vorbei an Lübbenau, dem touristischen Zentrum des Spreewaldes. In den Hafen von Lübbenau dürfen Sportboote nicht einfahren, der ist allein den breiten, schweren, kiellosen Spreewaldkänen aus Fichtenholz oder Aluminium vorbehalten. Der Trubel dort wäre auch nichts für uns, viel schöner ist es den Ort hinter sich zu lassen und in einer landschaftlich schönen Ecke die Boote dahingleiten zu lassen. Das vorgesehene Ziel war dann bald erreicht. Hier trennten sich die Wege von Simon, mir und den Wanderruderern, die in Richtung Köthen ins Quartier fuhren. Wir holten den am Einsatzort stehengelassenen Bootshänger und machten uns an die Rückfahrt Richtung Berlin. Es dunkelte schon fast als wir den Hänger bei Dresdenia ordnungsgemäss abstellten, neidvoll dabei an die Ruderkameraden dachten, die geduscht bereits beim Bier sassen. Na das holten wir dann zu Hause nach. Der Start zur diesjährigen Wanderfahrt war gemacht, die weiteren Berichte werden die Ereignisse schildern. |