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20. Mai 2009 |
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Es waren angesagt und wurden eingehalten Frühstück um 8,00 sowie Abmarsch mit komplettem Gepäck um 9,00 Uhr. Heute ist Umzugstag, Chaostag. Ruderstart sodann in Heilbronn am Alten Neckar bei Flusskilometer 114 + 1 für den Altarm. Die Boote nebst Zubehör fanden wir wohlbehalten vor und das obwohl am Vortage „dunkle Gestalten“ unter dem Brückenbogen nahe unserem Liegeplatz herumlungerten. Bestimmt waren die abends und nächtens mit Kleistens Käthchen befasst, die allerdings, wenn ich recht erinnere, grundsätzlich eine Anständige war. Na, sei`s drum. Zurück im Hauptstrom empfing uns sogleich die Schleuse Heilbronn. Steuermann Zwille hatte die Lage voll im Griff, rief den Schleusenwart an, kam fast ins Plaudern mit selbigem und sorgte so für zügige Schleusung. Gute Leute muss man eben haben; bestimmt habe ich Zwille ausgebildet. Er behauptet ja stets das Gegenteil, doch das sei ihm gegönnt! Der Name Neckar, so entnimmt man der Wasserwanderliteratur, stammt vermutlich aus dem Keltischen und bedeutet der „Wilde“. Der Neckar war somit dereinst ein wilder Fluss. Dies aber ist schon länger her. Heute ist der Neckar ein Gezähmter. Mittels großer Schleusen im gefühlten Abstand von jeweils 10 Kilometern wird er langsam und gleichmäßig in Hüben von häufig 8 bis 10 Metern zum Rhein herabgelassen, insgesamt im schiffbaren Teil über einen Höhenunterschied von 160 Metern. Da kann keine starke Strömung mehr entstehen und schon gar keine Wildheit. Stattdessen haben die tüchtigen Anwohner die Ufer mit Industrie besetzt, wovon wir uns auch am heutigen Rudertage überzeugen konnten. Die Industrieanlagen von Heilbronn und Neckarsulm sowie ein weißes Fahrgastschiff verfolgten uns bis zur Schleuse Kochendorf bei Kilometer 104. Dann jedoch wandelte sich plötzlich die Landschaft. Wo einst die Römer nahe der Zuflüsse von Kocher und Jagst ein Kastell errichtet hatten, gewann die Landschaft an Liebreiz. An Backbord grüßten uns Bad Friedrichshall, Wimpfen im Tal und das Ziel unserer heutigen Rudertour bei Kilometer 100, die Stadt Wimpfen am Berg, wohlgemerkt Bad Wimpfen, ein Solebad, soviel Zeit muss sein. Keine beeindruckende Ruderetappe, rein kilometermäßig gesehen. Dafür stand die Stadtbesichtigung von Bad Wimpfen am Berg auf dem Programm. Um es gleich vorweg zu sagen, Wimpfen ist fast wie Berlin. Auch dort ist laut Führerin alles das Größte, Meiste, Schönste und Beste. Nur mal so als Beispiele: Wimpfen ist die größte Kaiserpfalz nördlich der Alpen, hat bestimmt die meisten berühmten Orgeln, nämlich vier, davon als berühmteste eine Ehrlich- Orgel. Auf jeden Fall so viele Orgeln, dass einst ein Organist offensichtlich ausgerastet ist, weshalb auf seinem Grabstein vermerkt ist: „Hier ruht der Oberlehrer Krug, der Orgel, Weib und Kinder schlug.“ Pädagogische Randnotiz: Orgeln wurden vor Einzug moderner Techniken nicht gespielt sondern geschlagen, um auch dies nicht unerwähnt zu lassen. Die von der zwar nicht optisch aber wissenstechnisch erfreulichen Stadtführerin vorgetragene Stadtgeschichte im Schnelldurchlauf zu wiederholen, erspare ich mit. Nur soviel sei gesagt: Erst hausten in Wimpfen die Jungsteinzeitler, dann die Kelten, später die Römer, viel später die staufischen Kaiser und in der Heutzeit die Hessen, bevor die Stadt im Jahre 1952 durch Volksentscheid mit knapper Mehrheit zu Baden-Württemberg wechselte. Da wird wohl auch das liebe Geld eine Rolle gespielt haben. Sagt natürlich keiner! Zu allem Weiteren sei verwiesen auf Wickipedia „Bad Wimpfen“. Viel Zeit verbrachten wir in der evangelischen Stadtkirche, einer alten Hallenkirche, die unsere Führerin offensichtlich ans Herz gewachsen ist. Vielleicht auch deshalb, weil sich dort die Zünfte der Stadt, also die die „schaffe“, mit ihren Wappen in den Schlusssteinen der Deckengewölbe verewigt haben. Am meisten beeindruckte mich dagegen daselbst der „Schlüsselführer“, eine sinnreiche Vorrichtung zur Hinführung des Schlüssels auf das Schlüsselloch. So wird auch dem angeheiterten Zecher ermöglicht, stets das Schlüsselloch zu finden. Wer nie im Suff ein Schlüsselloch suchte, der weiß natürlich nicht, wovon ich spreche. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt wurden gewissenhaft abgewandert und betrachtet. Als wir jedoch einen Bewohner und bekennenden Mäzen der Stadt in seinem restaurierten Fachwerkhaus, einstmals Wohnsitz des Bürgermeisters, heimsuchten, waren die meisten ARG`ler, die sich sonst nicht durch übertriebene Zurückhaltung auszeichnen, merklich gedämpft. Vermutlich empfanden sie dies als unzulässigen Einbruch in seine Privatsphäre. Obwohl, irgendwie wirkte das ganze Ensemble wie ein Museum. Wohnen tät ich da nicht mögen! Aber wie ich immer sage: Jeder spinnt anders. Zum Schluss erhielten wir noch eine Einführung in die Eßgewohnheiten des alten Adels und insbesondere der „Wanderkaiser“. Ihnen stand das Jagd- und Fischrecht zu und somit verzehrten sie viel zu viel Fleisch und Fisch und zu wenig Gemüse, völlig ungesund natürlich. Das nahmen wir uns zu Herzen, kehrten nach dem Ende der Besichtigung im Cafe Birkensee ein, woselbst wir mit Hilfe von Kaffee und Kuchen oder Eis eine ausgewogene Ernährung herstellten. Abends bezogen wir unser neues Quartier in Eberbach, das Gasthaus zu Linde. Nach dem adretten Quartier in Lauffen mussten wir uns das neue, etwas plüschige Quartier erst „schön trinken“. Denke ich jedoch an manch karge frühere Ruderfahrt, insonderheit in den „Gründerjahren“ der neuen Bundesländer, dann war auch in Eberbach alles Gold. |
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