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21. Mai 2009 |
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So ein leckeres, abwechslungsreiches Frühstück hatte ich in unserem neuen etwas plüschigen Quartier, Gasthaus zur Linde, in Eberbach gar nicht erwartet. Aber Hallo: Es gab sogar frische Erdbeeren direkt vom Feld. Auch die Eier waren sehr frisch. Sie kamen direkt aus dem Stall. Mein Tischnachbar Axel von Starck schaute allerdings etwas verdutzt drein, als er sein noch völlig rohes Exemplar aufklopfte. Die fleißig schaffende Oma der Wirtshausfamilie wird wohl bei der Frühstückszubereitung abgelenkt worden sein. Sie war nämlich in helle Aufregung geraten, als sich einige Bundesbrüder von dem für uns reservierten Tisch absonderten und die für andere Gäste liebevoll vorbereiteten Frühstücksplätze in Beschlag nahmen. Sie vermutete gar, dass wir Wanderruderer uns auseinander dividiert hätten und dachte dabei höchstwahrscheinlich an das allseits bekannte Schicksal der „Wandervögel“. Wir amüsierten uns indessen über Ludwig Buschs Tiergeschichten aus seiner Jugendzeit: Da war ein Rabe, der es trickreich schaffte, ihm die Speckbrocken aus der Suppe zu stehlen, auch wenn er als „Schutzmauer“ eine aufgeschlagene Zeitung vor den Teller hielt. Am lustigsten fand ich jedoch, wie er seinem großen vierbeinigen Liebling Batzi einen Korb mit einem kleineren Hund in die Schnauze gehängt hat, nachdem Batzi dreimal beim Gassi-Gehen ein Missgeschick mit anderen Hunden wiederfahren war. Batzi von Schwerin – so hieß der ganze Stolz Ludwigs – trug den Korb aufrecht und voller Würde, konnte sein Maul nun nicht mehr um den Hals seiner Artgenossen schließen und beide, Ludwig und Batzi, hatten ihre Freude, wenn der kleine Hund aus der Sicherheit seines tragbaren Horts heraus hochmütig auf die Straßenköter herabblickte und sie giftig ankläffte. Lachen mussten wir auch über Ludwigs Ostfriesenwitz: „Was machen Ostfriesen wenn sie einen Eimer heißes Wasser übrig haben? - Einfrieren, heißes Wasser kann man immer mal brauchen“. Die regnerische Fahrt nach Bad Wimpfen, wo die Boote übernachtet hatten, wurde von Jürgen von der Lippe begleitet. Jedenfalls im Auto von Manfred Metz. Und siehe da: Nicht nur die Mienen von ihm, Jörg Goldbeck, Berndt Wittjen und meiner Wenigkeit erhellten sich, sondern auch der Himmel wechselte von grauschwarz auf grauweiß mit blauen Tupfern. Es hatte sich ausgeregnet, und der heutigen Ruderfahrt stand nichts mehr im Wege. Schnell waren die Boote zu Wasser gelassen, und um Punkt 10 Uhr gingen wir die Tagesetappe an. Die Glocken des blauen Turms, des Wahrzeichens der Stadt, läuteten zum Abschied. Frau Blanca Knodel konnte uns leider nicht nachwinken, da sie unmittelbar unter den Glocken wohnt und sich stündlich die Ohren zuhalten muss. Seit 650 Jahren geht das nun schon so auf der von Kaiser Barbarossa gegründeten Stauferpfalz. Der Name des Turms soll nach Angaben der weltweit einzigen Türmerin – eben dieser Frau Knodel – auf die bläulich schimmernden Schieferplatten und nicht auf ihren Sektkonsum zurückzuführen sein. Schon um 10.30 Uhr war die erste Schleuse in Gundelsheim erreicht, und erfreulicherweise dauerte das ganze Spektakel der Höhenüberwindung von 8 Metern nur zehn Minuten. Am Neckarufer: Die Altstadt mit ihrer eindrucksvollen Silhouette, überragt von Horneck, dem Schloss aus der Zeit des deutschen Ritterordens. Mit Fachwerkhäusern, Mauern und Türmchen. 1200 Jahre Geschichte! Gegenüber bei Neckarmühlbach erblickten wir die Burg Guttenberg. Kurz nachdem wir Haßmersheim passiert hatten und uns der Schleuse Neckarzimmern näherten, machten wir eine Pause, um die Burg Götz von Berlichingens vom Wasser aus zu betrachten. Um 1517 kaufte der Ritter mit der eisernen Hand die Burg für 6500 Gulden von Conz Schott von Schottenstein – unprätentiös: Konrad Schott – und lebte ebendort bis zu seinem Tode 1562. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg Hornberg geht immerhin auf das Jahr 1184 zurück. Es muss erwähnt werden, dass das Hornberger Schießen nichts mit dieser Burg zu tun hat, ebenso wenig wie die Burg Guttenberg mit der Familie unseres derzeitigen Wirtschaftsministers Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg. Zurück zur Tagesetappe: Um 13 Uhr legten wir zur Nahrungsaufnahme am Ruderclub vom RS Neptun Neckarelz an und begrüßten Klaus Niemsch, der aus München zu uns gestoßen war, um uns während der restlichen Tage der Wanderfahrt Gesellschaft zu leisten. Kurz zuvor hatte die Fasolt nach Angabe ihrer Insassen noch eine mächtige „Grundwelle“ von einem Lastkahn abbekommen, die sie aber dank ihres erfahrenen Steuermanns Bernd Krüger nicht zum Kentern bringen konnte. Was eine „Grundwelle“ ist, lässt sich nicht so einfach erklären, aber sie ist immer wieder gerne im Gespräch. Wie wir zuverlässig wissen, gibt es allerdings eine Grundsee, eine kurze, steile und überbrechende Wasserwelle, deren Wellental bis in die Nähe des Meeresgrundes reicht und diesen mit in Bewegung setzt. Na egal, das Boot war vollgelaufen, musste an Land genommen und gedreht werden. Nach dem Essen machten wir uns mit neuer Mannschaftseinteilung auf den Weg zur Schleuse in Guttenbach. Guttenberg, Guttenbach? Na gutt, meinetwegen. Hier hatten wir jedoch richtig Pech und brauchten rund 90 Minuten für die Schleusung. Erst um 18.00 Uhr erreichten wir unser Tagesziel, die Rudergesellschaft Eberbach. Und hier ist es schließlich! Ein dichterisches Highlight der diesjährigen Wanderfahrt (mit freundlicher Abdruckgenehmigung von Gerhard Wochele):
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