Teil 3 der permanenten Wanderfahrt unserer Mygg im Jahre 2007
Chronist: Hans Jäh und einem kleinen Zwischenbericht von Bernd Krüger
     
Wir hatten uns den richtigen Tag für die dritte Etappe der Mygg-Heimfahrt ausgewählt: Der Wetterbericht versprach Sonne, Wärme und keinen Regen. Um 8 Uhr trafen sich auf dem Parkplatz an der Heerstraße die Bundesbrüder Edgar Schulz, Gerd Weber, Bernd Krüger, Detlev Schramm und Hans Jäh – frohgelaunt und guter Dinge. Und so sollte es auch den ganzen Tag über bleiben. Voller Hoffnung, dass die Mygg noch heil an Ort und Stelle in ihrem Zwischenlager kieloben auf ihren Obi-Kanthölzern auf uns wartete, fuhren wir die 2,5 Stunden in das mittlerweile bei unserem Umweltminister auch als Endlager gehandelte kleine Städtchen Gorleben an der Elbe. Möglicherweise hatte ja die zwar äußerlich robuste, aber dennoch sensible Mygg die Endlager-Diskussion verfolgt und in Anbetracht der in ihrer Abwesenheit auf den Namen Sigyn getauften Dreier-Nebenbuhlerin schon mit dem Schlimmsten gerechnet, da sich die Herrschaften aus Berlin ja nun fünf Wochen lang nicht haben sehen lassen. Und so war die Freude auf beiden Seiten groß, als wir um 10 Uhr 30 die Mygg unversehrt und trocken vorfanden, und sie wieder in ihr Element getragen wurde. Um 11 Uhr saß die erste Crew startklar im Boot.

Als erstes fuhren Detlev auf Schlag, Gerd auf Schub und Hans auf Eins mit seinen beiden Außenspiegeln den rd. 1 km langen Kanal vom Yachthafen Gorleben zur Elbe und dann 12,6 km auf der Elbe nach Dömitz, wo der Landdienst schon die Schleusung in den Elde-Müritz-Kanal organisiert hatte. Wir hatten auf diesen letzten Elbkilometern etwas Gegenwind, aber wenig Wellen und herrlichstes Ruderwetter. Im Schnitt schafften wir so etwa 11 Stundenkilometer. Das ist recht wenig für die Elbe, aber auf den Gegenwind und den recht niedrigen Wasserstand zurückzuführen. Wie schon bei den letzten Elb-Etappen gab es kaum Verkehr. Zwei, drei kleine Motorboote und ein paar Paddler sind uns begegnet, mehr nicht. Am Strand waren wieder viele der Langbeinenten versammelt und grüßten uns Vorbeirudernde lauthals. In Dömitz haben sich dann um 13 Uhr nach der Schleusung Gerd und Hans aus der Mygg begeben und den beiden Frischen Bernd und Edgar die Plätze überlassen. Detlev fuhr weiterhin seinen ruhigen, gleichmäßigen Schlag.

     

 

 

      
Ja und da kamen dann die Frischen endlich auf ihre Kosten, Landschaft pur, Natur pur, Stechfliegen pur. Selten musste ich den Kurs korrigieren, meist ging es stur geradeaus. Die anfänglichen Gespräche verstummten, das Rudern ging automatisch von statten und jeder hing wohl seinen eigenen Gedanken nach.17 km bis zum Wechsel lagen vor uns – eigentlich keine Sache, 1,5 Stunden – normalerweise. Aber nicht auf dem Eldekanal! Durch den Regen der vergangenen Tage zeigte sich dieses uns doch als so ruhiges, fast stehendes Gewässer bekannt, von einer etwas rauheren Seite. Die ziemlich starke Gegenströmung liess die Mygg nicht so recht vorwärts kommen. Und dann die Schleusen, die kosteten viel Zeit! Die erste in Neu Kaliß, nach nur 2 km gleich ohne Schleusenmeister – eine Automatikschleuse wie in Berlin-Neukölln. Nur noch langsamer. Die einzelnen Schleusenvorgänge wurden zwar schön auf einer grossen Schrifttafel angezeigt aber der Zulauf war gedrosselt, das Wasser stieg nur Millimeter weise. Dann, nur 870 m weiter, schon die nächste Schleuse – mit einem interessanten Namen – Findenwirunshier - diesmal mit Bedienung, aber mit Gegenverkehr. Ging also auch nicht so viel schneller. Nur die Wartezeit im Schleusenbecken war dann nicht gar so lang. Den Gedanken an ein Mittagessen schrieben wir so langsam ab, es würde wohl, wenn überhaupt, mehr ein Abendessen werden. Da mussten wir dann aber durch und auch schon wieder durch die nächste Schleuse in Malliß – eine mit Automatik – siehe oben. Da hatten wir gerade mal 9 km gerudert und 3 Schleusen abgesessen und schon war es 15 Uhr – mehr als 2 Stunden für dieses doch kurze Stück. Gut 8 km noch und der vereinbarte Wechselpunkt kam näher und näher.

Mit starker Gegenströmung quälten wir uns bis unter die Brücke von Eldena, mehr als 8 kmh waren nicht drin, Hans und Gerd hatten da eine ideale Ausstiegsmöglichkeit unter der Brücke gefunden.

So – und nun ist wieder Hans mit der Fortsetzung dieser dritten Etappe dran.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Gerd und Hans haben einen geruhsamen und ziemlich langen Landdienst gemacht. Zuerst fuhren wir nach Eldena zur Schleuse, um die dortigen Bedingungen zu erforschen. Der Meister war sehr nett und empfahl uns, die Mygg noch vor der Schleuse am flachen neuen Steg unter der modernen Stadtbrücke Baujahr 1997 anlegen zu lassen, um den Mannschaftswechsel komfortabel vornehmen zu können. Also haben wir uns als nächstes diesen Steg angesehen und als sehr gut beurteilt. Als nächstes haben wir uns ein bisschen Obst im plus-Markt gekauft, um den Vitaminhaushalt aufzufüllen. Die Äpfel, aber auch die Bananen schmeckten sehr gut und so ganz und gar nicht nach Supermarkt-Qualität. Dann haben wir uns die Restaurants in Eldena der Reihe nach angesehen und ein geeignetes für uns ausgesucht. Anschließend haben wir Zeitung gelesen, gewartet und die Müritz-Elde-Wasserstrasse entlang gespäht.

So gegen 16 Uhr kam dann die Mygg in Sicht und wurde von uns an den Super-Steg gelotst. Die Mannschaft war sehr durstig und hungrig, so dass wir uns direkt zum Lokal begaben. Der Fußweg war nicht sehr lang, sorgte aber dafür, dass sich der Aufrechtgang, der beim längeren Rudern verloren geht, wieder einstellen konnte. Zu unserem großen Pech war das Lokal geschlossen, und davor stand nun auf einem Mal ein Schild. Nicht etwa "Wegen Reichtums geschlossen", sondern servicefreundlich: "Wir sind um 17 Uhr wieder für Sie da!" war darauf zu lesen. Auf der Speisekarte stand jedoch: "Samstag von 11 Uhr bis 22 Uhr geöffnet". Stille Panik stellte sich ein. Detlev rannte zu einem seit Jahren stillgelegten Restaurant auf der anderen Straßenseite, um zu prüfen, ob sich noch Reste in der bereits dem Verfall preisgegebenen Küche befanden, und wir anderen litten still und hörten unsere Mägen knurren. Dies muss auch der Wirt gehört haben, denn auf einem Mal erschien er und gebot uns Einlass. Wenn auch die Küche noch angeworfen werden musste, so konnten wir doch schon einmal den großen Durst stillen. Gerd konnte sich dann partout nicht entscheiden, was er essen sollte: Sauerfleisch, wie es Detlev bestellen wollte, oder Hamburger Schnitzel, für das sich Bernd und Edgar entschieden hatten. Dass er auch mir mit meiner Roulade, Rotkohl und Klößen Gesellschaft hätte leisten können, kam ihm jedenfalls nicht in den Sinn. Jedenfalls waren wir alle mit unserem Essen äußerst zufrieden und können das Restaurant wirklich weiter empfehlen. Leider ist mir entfallen, wie es heißt. Aber ihr müsst von der Brücke kommend die Straße der Jugend bis zur Ecke laufen, und dann ist es da gleich.

Um 17 Uhr 30 setzten sich dann Bernd, Gerd und ich wieder in die Mygg. Wir kamen sehr schnell durch die Schleuse Eldena und ruderten noch eine halbe Stunde bis zur nächsten in Güritz, die wir auch noch mitnahmen. Gleich dahinter haben wir dann die Mygg wieder auf ihre Kanthölzer gelegt, und zwar neue Spezialanfertigungen von Detlev, wasserfest gestrichen mit Aussparungen für die Skulls und allen Schikanen.

Die Fahrt nach Hause verlief schneller als die Hinfahrt. Um 21 Uhr waren wir wieder auf dem Parkplatz an der Freybrücke. Wir hatten einen wunderschönen, abwechslungsreichen Tag miteinander verlebt, aber nun war es Zeit, wieder in die vertrauten Gefilde zu wechseln und vor allem endlich unter die ersehnte Dusche zu kommen.

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