| Teil 7 der permanenten Wanderfahrt unserer Mygg im Jahre 2007 | |||||
| Chronist: Thomas Sciborski 22. Sept. 2007 | |||||
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Es wird immer schwerer die Bundesbrüder zu motivieren die Mygg noch rechtzeitig vor dem Winter nach Spandau heim zu holen. Oder lag es an der heutigen 7. Etappe, bei der die berühmt-berüchtigte Müritz überquert werden sollte? Es hätte heute auch schon die 8. Etappe sein können, doch die am 8.9. fest eingeplante Etappe musste aufgrund des für zu labil befundenen Gesundheitszustandes der armen Rentner (siehe auch 5. Etappe) am Bootshaus vor Abfahrt abrupt abgesagt werden. Um heute überhaupt starten zu können, war Bernd auf die Idee gekommen seinen Freunden, dem Ehepaar Semmler, einen Ausflug nach Mecklenburg vorzuschlagen. So könnten sie das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden und die Rudermannschaft nach vollbrachtem Tagewerk am Etappenziel wieder einsammeln, hatte er ihnen vorgeschlagen. Wie üblich um 8 Uhr konnten sich die Bb Bernd Krüger, Berndt Wittjen und ich somit auf den Weg nach Malchow begeben. Die Fahrt dauerte nur eine gute Stunde. Die Transfers werden immer kürzer. Warum also nicht mal 1 Stunde später losfahren? Heute allerdings steht Berndt ein wenig unter Freizeitstress, da am Abend eine Feier dräut. Wir haben deshalb nur bis 16 Uhr Zeit, so dass der frühe Termin heute also noch gerechtfertigt ist. In der Inselstadt Malchow – vielleicht eine Insel der Seligen – finden wir die Mygg wohl behalten vor. Das Anfahren gestaltet sich ein wenig holprig, da Bernd sein GPS-Gerät der ersten Generation erst noch einnorden muss. Als Steuermann will er bei der Überquerung der großen Gewässer auf die Unterstützung der modernen Technik nicht verzichten. Ich rudere auf 2, Berndt fährt auf Schlag. Das Wetter ist schön spätsommerlich. Außerdem weht eine leichte Brise von Westen, also von achtern. Wenn Engel rudern... Einige Fischer weisen uns freundlicherweise auf die Geschwindigkeitsbeschränkung von 9 km/h hin, die wir nicht immer einhalten können, wie uns das GPS-Gerät verrät. Es zeigt eine Geschwindigkeit zwischen 9-11 km/h an. Ich weise bei der Gelegenheit Bernd darauf hin, dass er doch freundlicherweise auf die Fischreusen kennzeichnenden Stöcke achten möge, sonst werden die freundlichen Fischer vielleicht böse, falls wir die Stöcke bei der hohen Geschwindigkeit aus Versehen abrasieren sollten und womöglich obendrein noch mit den Auslegern drin hängen bleiben könnten. Bei der Einfahrt vom Malchower See in den Fleesensee bekommen wir einen Fischadler, keinen Seeadler zu Gesicht. Zum Glück haben wir ja einen Fachmann an Bord. Ein Schwarm Gänse fliegt in vorbildlicher Formation unter lautem Geschnatter Richtung Süden, anscheinend wissen sie, dass es morgen Herbst wird. Überall tummeln sich in großer Zahl Blesshühner. Vom Fleesensee geht es über einen kurzen Kanal in den Kolpinsee. Wir nähern uns dem Nest der Hobbykapitäne in Waren/Müritz, die uns in immer größerer Anzahl entgegen kommen und die uns schon auf der Müritz-Elde-Wasserstraße teilweise unangenehm aufgefallen waren: 1-mal heißt es: Ruder halt, weil so ein Hobbykapitän mit weit mehr als 9 km/h ordentliche Wellen verbreitet. Ein zweites Mal heißt es: Backe über, weil nicht jeder der Hobbykapitäne die Vorfahrtsregeln auf hoher See auf Anhieb beherrscht. Aber der Klügere gibt ja wenn auch ungern nach. Bei der Einfahrt vom Kolpiner See in den Verbindungskanal zur Müritz haben wir es dagegen mit einem professionellen Dampferkapitän zu tun. Obwohl wir ihr vorbildlich ausweichen, tutet die MS Europa aus vollem Rohr, um uns zu warnen. Der Verbindungskanal zwischen Kolpiner See und Müritz schlängelt sich über 2 km an Schilfufer und Yachthäfen vorbei. Ich hätte jetzt auch gerne während eines Halts in einer idyllischen Bucht ein zweites Frühstück eingelegt, habe aber meine beiden Brötchen, die ich mir für diese Eventualität geschmiert hatte, intelligenterweise ordentlich in einer Tüte verpackt zu Hause auf dem Küchentisch liegen lassen. Und das, obwohl ich seit Ewigkeiten kein Alsfelder mehr getrunken habe. Ich hoffe, dieses Missgeschick brauche ich nur dieser samstäglichen Morgenstund zuzuschreiben. Und Berndt erbarmt sich meiner mal wieder (siehe auch wieder 5. Etappe) und teilt sein letztes Brötchen mit mir. |
Sorgsame Vorbereitungen bis zum Start in die neue Etappe |
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Um 13 Uhr machen wir uns wieder an die Skulls, nachdem die Mygg nicht abgeschleppt worden ist. Nicht nur Bernd macht ein paar Fotos von den angehenden Helden der Müritz, sondern auch einige Ausflügler auf der Hafenmole scheinen uns so attraktiv zu finden, dass sie uns abpixeln müssen, aber die Mygg ist ja auch ein schönes Boot. Wir kämpfen uns aus der Binnenmüritz zum Eingang in die richtige Müritz. Die Müritz ist schon sehr beeindruckend in ihren Ausmaßen. Das Südufer, wo wir hinwollen, ist nur zu erahnen. Und wir haben das Glück eine ganze Weile lang jetzt einem richtigen Seeadler hinterher schauen zu können, wie er vom Nationalpark am Ostufer anfliegend Richtung Süden wieder entschwebt. Das Wasser ist einigermaßen ruhig, und wir beschließen mitten drüber den kürzesten Weg nach Südosten Richtung Boeker Mühle zu nehmen. Berndts GPS weist uns zunächst in die völlig falsche Richtung. Das Globale Positionierungssystem mag anscheinend nicht gerne rückwärts fahren. Also orientiert sich Bernd nach Altväter Sitte zunächst an den nur schemenhaft aber immerhin noch einigermaßen zu erkennenden beiden Kirchtürmen von Röbel im Süden. |
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Ich vermute, dass der Name Müritz von Mir = Frieden (siehe auch die russische Weltraumstation) oder von Mir = Welt herstammt. Die Müritz macht ja auch einen überweltigenden friedlichen Eindruck. Ich kann mir aber keinen Reim darauf machen, warum sie nicht der Müritzsee sondern ein wenig ungebräuchlich einfach nur die Müritz heißt. Zum Glück gibt es hier ja das Internetz. Bei meinen diesbezüglichen Nachforschungen konnte ich im Nachhinein feststellen, dass die Müritz also tatsächlich der größte deutsche See ist. Der Bodensee zählt nicht, weil er teilweise zu Bayern gehört. Der Name stammt wie schon vermutet aus dem Slawischen, aber nicht von Mir sondern von Morje = Meer. Fügt man ein Diminutivsuffix an, macht man also aus Morje Morzo oder Moryschko, was dann so viel bedeutet wie kleines liebes Meer, kommt man durch eine der letzteren Mittelhochsächsischen Lautverschiebungen zu Müritz. Damit ist also auch klar, warum es einfach nur die Müritz, also das Meerchen heißt. Der Meerchensee würde ja im Gegensatz zu den Meerchenhelden überhaupt keinen Sinn ergeben. Was ich sonst noch so nachforschte, fand ich auch nicht ganz uninteressant: Die Müritz ist 20 km lang und 13 km breit. Sie ist im Schnitt 6 m tief, an der tiefsten Stelle können es auch schon mal 33 sein. Paddlern und Kanadiern wird generell abgeraten die Müritz zu überqueren. Warum nur werden Ruderer ignoriert? Ab Windstärke 3 sollten bis 6 m lange Boote nur mit starker Motorisierung den See befahren. Wellen können eine Höhe von 2 Metern erreichen. Bei einer Sturmflut 1714 wurde eine der beiden Röbeler Kirchen wegen Unterspülung stark beschädigt. Mit ausreichender Motorisierung fährt also die Mygg mitten auf die Müritz hinaus. Allmählich werden die Wellen höher, es bewölkt sich. Bernd erzählt Geschichten von seinen bisherigen Müritz-Überquerungen. Einmal war der Wellengang von Westen her so hoch, dass die Mannschaft - sie war gleichfalls mit der halb voll gelaufenen Mygg unterwegs – es nicht schaffte in die Röbeler Bucht einzufahren. Ein anderes Mal war die Müritz flach wie ein Spiegel, kein Lüftchen wehte, es war drückend heiß und das Rudern nahm kein Ende. Berndt hat die Müritz schon mal mit dem Skiff überquert. Respekt, denke ich mir. Die Wellen kommen von der Seite, von Westen, bleiben aber stabil unter der Bordwand. Nur 2-3-mal kriegen wir eine volle Breitseite, die über die Steuerbordwand schwappt. Ich frage mich, ob es nicht sinnvoller gewesen wäre meine Tags zuvor neu gekaufte, schöne rote Radtasche, die sich wegen ihrer Wasserdichtigkeit auch als Rudertasche gut eignet, am Boot für alle Fälle zu befestigen. Ich frage mich lieber nicht, was das Wasser wohl für eine Temperatur haben mag, zumal nur ganz selten einmal ein anderes Boot in der Nähe zu sehen ist. Es gilt also konzentriert zu rudern. Auf ungefähr halber Strecke spricht Berndt das Wort zur Müritz: Ich mag auf der Müritz nicht rudern! Die Müritz ist einfach kein geeignetes Ruderrevier! Das musste mal gesagt werden. Aber es nutzt ja alles nix. Wir müssen rüber. Bernd bekommt einen Anruf von Semmlers aus Teterow, wo es regnet. Bernd erklärt kurz, wo wir anlegen wollen. Obwohl die Wolken mal dunkler und mal heller werden, haben wir Glück und bleiben von oben trocken. Ziemlich genau im Zeitplan landen wir nach zweieinhalb Stunden nach den zweiten 20 km des heutigen Tages um 15.30 Uhr an einer Segel- und Surfschule auf einem Campingplatz bei Boek an. Beim Aussteigen an dem flachen Sandstrand stelle ich fest, dass das Wasser ganz schön frisch ist, höchstens 15 Grad so wie der Wannsee. Hier im Ferienparadies Mecklenburgische Seenplatte müssen wir eine Liegegebühr von 4 € pro Tag entrichten. Feilschen bringt nichts. Wo anders hinfahren können wir auch nicht, weil Berndt nach Hause muss. Also unterschreibt Bernd zähneknirschend den Liegevertrag, der eine Haftung des Betreibers bei Schäden am Boot ausschließt, und zahlt 28 € für 1 Woche Liegezeit. Wollen wir hoffen, dass sich nächsten Samstag eine Mannschaft und passendes Wetter finden.
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| Fortsetzung mit Teil 8 der Mygg-Wanderfahrt | |||||