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Wanderfahrt-Bericht für Montag, 14.05.2007 Nach ungestörter Nachtruhe und der nun schon gewohnten gemütlichen Enge am wohlgedeckten Frühstückstisch ergehen die üblichen Tagesplanungen vom Fahrtenleiter mit dem Hinweis, dass uns heute ein Tag der Schleusen bevorstünde; sechs davon würden zu durchfahren sein, bei einer weiteren (Bad Dürrenberg) liegen die Boote seit gestern Abend und unmittelbar vor noch einer weiteren (Halle-Grimnitz) sollte Schluss beim Universitäts SV Halle sein. Deshalb - und im Vorgriff auf das Tagesgeschehen - ist hier wohl heute die rechte Gelegenheit, ein paar allgemeine Gedanken zum Thema "Der Wanderruderer (WR) und die Schleusen" zu äußern. Also: "Schleusen an sich sind Einrichtungen zum Ermöglichen der Schifffahrt auf stau-regulierten Fließgewässern.- Diese Klarstellung ist für den WR so banal und so selbstverständlich, dass sie keines weiteren Gedankens wert ist und keiner weiteren Erwähnung bedarf. Vielmehr ist das Gemüt des aktiven WR grundsätzlich auf Bewegung, bewältigte Kilometer, heimliche Wettfahrten zwischen den Booten und den Mannschaften, gelegentlich auch auf Naturschönheiten, menschliche Begegnungen, auf jede Menge Spaß, Jux und Tollerei und natürlich auf die jeweils eigene Augenblicks-Befindlichkeit eingestellt und entsprechend ambivalent ist daher seine subjektive Einstufung von Schleusen als lästiges Hindernis, ersehntes Etappenziel, als Gelegenheit zum Ausruhen und Witze erzählen oder auch bloß als Markierung eines x-beliebigen Abschnitts einer besonders langweiligen Strecke. Technische Funktionalität kommt dabei gar nicht erst vor, sie ist erfahrungsgemäß immer da und im schlimmsten Fall ist ein Umtragen der Boote einzukalkulieren." Was aber – wenn, wie heute an der ersten erreichten Schleuse Merseburg-Rischmühle erlebt, diese durch zwei rote Einfahrtsignale übereinander als gesperrt gekennzeichnet ist, durch Absperrungen, Gelände und Bebauung die Chance zum Umtragen genommen ist, und die Antwort beim Anruf der am verschlossenen Tor angegebenen Telefonnummer lautet: "Wir haben kein Personal, es tut uns leid!"? – Was kann dann noch helfen?- Na, wie immer – das Nutzen von Besonderheiten der momentanen Situation und die latente Hilfsbereitschaft Anderer, wenn erst einmal aktiviert! Da will es heute der Zufall, dass jetzt gerade zum Zeitpunkt unserer Erkenntnis der miesen Situation zwei Servicetechniker der Bundes-Wasser- und Schiffahrtsverwaltung mit einem Werkstattwagen in den Schleusenbereich einfahren. Von uns angesprochen, weisen sie auf ihre mangelnde Schleus-Befugnis hin und beginnen ihre Wartungsarbeiten mit dem Hinweis darauf, dass montags und dienstags hier sowieso kein Betrieb vorgesehen sei, das gelte auch für die nächsten beiden Schleusen und müsste doch bekannt sein! Unsere zögerliche unschuldsvoll-hintersinnige Frage, ob die Wartung der Schleuse nicht auch eine Probeschleusung beinhalte, bei der man doch….? wird belächelt – aber immerhin zunächst mit einer "Gar-nicht-so-dumm-Gebärde" bedacht, und es dauert eine längere sprachlose Weile bis zu einem entgegenkommenden "Na, dann macht Euch mal bereit!", und unser spontaner Ausbruch von Erleichterung und Dank überzeugt sie so sehr, dass sie gleich mit der nächsten Station (Schleuse Merseburg-Meuschau) telefonieren und um Unterstützung für unsere Wünsche bitten, was von dort mit einem "wahrscheinlich" beantwortet wird. So geht es die kurze Strecke erst einmal weiter und der "wahrscheinlich"-geprägte Herr wird in einem Büro ausgemacht und wieder behutsam um Hilfe gebeten, die er nicht nur durch eigene Schleusung hier gewährt sondern auch noch durch Telefonat auf die dritte kritische Schleuse Plena ausdehnt. Dort müssen wir zwar den Schleusenberechtigten zu unserem großen Bedauern erst in einem Bauwagen aus dem tiefen Mittagsschlaf wecken – aber immerhin klappt die Weiterfahrt, wenn auch mit einer bis auf unser Hipp-Hipp-Hurra nahezu wortlosen Schleusabwicklung, doch sind wir froh, nun auf die heute noch kommenden drei Schleusen mit ständiger Besetzung zusteuern zu können. So kam es, dass wir, durch unsere umstände-bedingte Befangenheit abgelenkt, etwas gedankenlos ruhig an dem schönen vieltürmigen Schloss Merseburg vorbei rudern und überhaupt ohne große Beachtung durch die früher und hoffentlich bald wieder so bedeutungsvolle Industrielandschaft an der Saale mit Leuna, Schkopau und dann vor allem Halle mit den vielen erhaltenswerten industrie-historischen Baudenkmälern, die noch auf ihre Restaurierung warten, unserer Mittagspause beim traditionsreichen Hallischen Ruderverein Böllberg entgegen fahren und danach bei dauernd drohendem aber dann doch erst ganz zum Schluss einsetzenden Regen schließlich durch die drei heute noch zu bewältigenden Schleusen das Tagesziel beim Universitäts-Sportverein am Stadtrand von Halle erreichen, wo uns der Landdienst erwartet. Nachträglich erst stellen wir dann fest, dass es einer ganz besonders feinen Spürnase bedurft haben musste, um den Landungssteg hier von der Straße her überhaupt zu finden – eine Aufgabe, so recht geeignet für unseren langjährigen Freund und Fahrtenbegleiter Klaus Böhlke, der hier wieder eine seiner bekannten Meisterleistungen im Aufspüren von versteckten Orten geliefert hat, für die wir ihm ebenso dankbar sind, wie für seine stets unüberhörbaren aufmunternden Worte und für seinen täglichen Einkauf des ruderer-gerechten Mittagspicknicks einschließlich des persönlichen Sonderbedarfs Einzelner. – Und sicher und pünktlich fährt er uns auch heute im Bus zum gemeinsamen Abendessen im "Alt-Wettin", wo der ereignisreiche Rudertag ruhig ausklingt. |